Kniegelenk-Arthrose

Was ist Kniegelenk-Arthrose?

Kniegelenkarthrose (Gonarthrose) bedeutet Knorpelverschleiß, der zu einer vorzeitigen Abnutzung des Kniegelenks führt. Durch den fehlenden Knorpel entstehen Gelenkschmerzen und Entzündungen. Arthrose ist nicht heilbar, sondern ein chronischer, degenerativer Verschleiß-Zustand, der sich mit der Zeit zunehmend verschlechtert. Dem fortschreitenden Verschleiß kann aber durch eine gesunde Lebensweise und durch medizinische Hilfsmittel, wie Knie-Orthesen, entgegengewirkt werden.

Entstehung

Durch ein Gelenk werden Knochen beweglich miteinander verbunden. Knorpel federt Stöße ab und verhindert, dass die Knochen aneinander reiben. Da Knorpel schmerzunempfindlich ist, werden Knorpelschäden oft zu spät bemerkt. Und zwar dann, wenn durch die fortschreitende Abnutzung und den fehlenden Knorpel die knöchernen Gelenkteile des Ober- & Unterschenkels aneinander reiben und dadurch Schmerzen entstehen. Die Gelenkbeschwerden spürt man in der Regel beim Beugen der Kniegelenke, beim Treppensteigen, aber auch im Sitzen oder Liegen.

Arthrose-Stadien

Leichte Kniearthrose

leichte KniearthroseBei einem gesunden Kniegelenk verhindert der Knorpel, dass die Enden der Knochen aneinander reiben. Wenn die Oberfläche des Knorpels sich zersetzt, bilden sich sehr kleine Risse und Kerben. In diesem Stadium gibt es Anzeichen von Varus-Fehlstellungen – besser bekannt als O-Beine.

 

 

Moderate Kniearthrose

moderate Kniearthrose

In diesem Stadium verschleißen Teile des Knorpels. Dadurch wird die Flexibilität des Knorpels eingeschränkt. Die Gefahr, dass der Knorpel durch alltägliche Aktivitäten und/oder Verletzungen beschädigt wird, wächst. Die Gelenk-Flüssigkeit (Synovial-Flüssigkeit) löst sich auf und wird dadurch unwirksam. Dadurch entstehen weitere Risse und Löcher im Knorpel. Das Bein erscheint noch gebeugter.

 

 

Starke Kniearthrose

schwere KniearthroseDurch das komplette Verschwinden großer Knorpelteile sind die Knochen ungeschützt. Bei Bewegungen reiben die Knochen aneinander, was zu Gelenkschmerzen führt. Darüber hinaus können kleine Knorpel-Teile, die sich gelöst haben und sich innerhalb des Kniegelenks bewegen, weitere Schmerzen und Zerstörungen verursachen. Das Kniegelenk erscheint im Verhältnis zum Oberschenkel stark gebeugt. Fortgeschrittene Kniearthrose ist in der Regel mit starken Schmerzen, Steifigkeit und Entzündungen verbunden.

 

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Ursachen

Alter
Die Degeneration und der Knorpelschaden gehören zum natürlichen Alterungsprozess.

Vorschädigungen am Kniegelenk
Knorpelschäden am Knie können durch Unfälle (Knorpelriss) oder durch Schäden am Meniskus, an den Bändern oder an den Knochen entstehen. Solche Knieverletzungen beschleunigen den natürlichen Verschleiß. Bei Menschen mit einem Riss am vorderen Kreuzband besteht ein um 50 % höheres Risiko, innerhalb der nächsten 10 Jahre an Kniegelenkarthrose zu erkranken.

Gewicht
Übergewicht beschleunigt in der Regel den Degenerationsprozess und ist einer der größten Risikofaktoren, an Kniegelenkarthrose zu erkranken.

Genetische Faktoren
Arthrose innerhalb der Familie kann eine Ursache der Erkrankung sein.

O-Bein / X-Bein
Fehlstellungen stellen ein Arthrose-Risiko dar.

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Diagnose

Wenn Ihre Knieschmerzen Sie belasten und Sie glauben, dass Arthrose die Ursache sein könnte, sprechen Sie so schnell wie möglich mit Ihrem Arzt. Wenn bei Ihnen eine Kniearthrose diagnostiziert wird, finden Sie so schnell wie möglich die optimale Therapie für sich heraus. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, diese Erkrankung zu behandeln – zum Beispiel durch wirksame Hilfsmittel wie die Knie-Orthesen Unloader One® und Unloader One® Lite, die vom Arzt verschrieben werden. Zur genauen Diagnose der Ursache muss Ihr Arzt die Symptome kennen, z. B. wo genau das Knie schmerzt und wie lange Sie bereits Schmerzen haben.

Symptome: Schmerzen, Schwellungen, Steifigkeit?
Erläutern Sie Ihrem Arzt, wodurch die Gelenkbeschwerden stärker oder schwächer werden. Ihr Arzt wird Ihr Kniegelenk untersuchen und verschiedene der unten genannten Untersuchungen durchführen, um vor der Empfehlung einer Therapie eine genaue Diagnose zu erstellen:

Blut-Untersuchung
Durch eine Blut-Untersuchung lassen sich eine rheumatoide Arthritis oder andere mögliche Ursachen der Gelenkschmerzen, wie z. B. eine entzündliche Krankheit, normalerweise ausschließen.

Röntgen-Untersuchung
Eine Röntgen-Untersuchung gibt ein klareres Bild des Knorpel- und Knochen-Zustandes. Ein engerer Abstand zwischen den Knochen bedeutet Knorpelverschleiß – dies ist ein Anzeichen von Arthrose im Knie.

MRT-Untersuchung
Wenn die Röntgen-Untersuchung kein klares Bild über die Ursache der Knieschmerzen gibt, kann eine MRT-Untersuchung über die erforderlichen Details Aufschluss geben. Auf Magnetresonanz-Bildern sind nicht nur die Knochen, sondern auch die Blutversorgung und das Gewebe zu sehen.

Analyse der Gelenk-Flüssigkeit
Zur Analyse der Gelenk-Flüssigkeit wird dem Kniegelenk etwas Flüssigkeit entnommen, um diese auf Anzeichen einer Infektion oder andere Ursachen zu untersuchen.

Arthroskopie
Eine weniger übliche Untersuchung ist die Arthroskopie, bei der eine kleine Kamera in das Kniegelenk eingeführt wird, um direkt in das Kniegelenk gucken zu können. Eine Arthroskopie wird normalerweise zur Behandlung von Meniskus- und Bänder-Verletzungen angewendet.

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Welche Therapien sind sinnvoll?

Nicht-operative Therapien bei Arthrose im Knie

Der Wirkung verschiedener Therapien ist bei jedem Patienten und bei jedem Krankheitsverlauf anders. Der Therapieerfolg hängt zudem von der Lebensweise ab. Aus diesem Grund sollte eine Kniearthrose-Behandlung eine Kombination aus Therapieformen umfassen, die exakt auf Sie zugeschnitten ist.

Orthesen
Bracing-and-supportsDie Medizin-Technik entwickelt sich immer weiter, so dass es heute Orthesen gibt, bei denen korrigierende Kräfte die Stellen des Beins entlasten, die am stärksten von der Arthrose betroffen sind. Früher waren Orthesen groß und unförmig, heute sind sie leicht und einfach zu handhaben und haben spezielle Funktionen – wie die Kniearthrose-Orthesen Unloader One®  und Unloader One® Lite von Össur, die das Kniegelenk durch ein individuell einstellbares Gurtsystem gezielt entlasten und dadurch nachweislich Schmerzen lindern.

Neue Arthrose-Leitlinien empfehlen Bewegung und Orthesen
Die internationale Arthrosegesellschaft OARSI hat neue Leitlinien zur konservativen Behandlung von Arthrose im Knie herausgegeben.

Als Basistherapie empfiehlt die OARSI

  • Bewegung (z.B. Spazierengehen, Tai Chi)
  • Gewichts-Management
  • Krafttraining
  • Wassergymnastik, Balneotherapie

Nicht-medikamentöse Maßnahmen sollen die zentralen Therapieansätze darstellen. In Studien wurde die Wirksamkeit von Orthesen und Bandagen zur konservativen Behandlung von Kniegelenkarthrose bewertet. Die Prüfungen kamen zu dem Ergebnis, dass Orthesen Schmerzen lindern, die Gelenksteifigkeit reduzieren, die Medikamentendosierung verringern und die körperlichen Funktionen verbessern konnten. Trotz Schmerzen ist Bewegung essentiell, weil dadurch der Knorpel besser versorgt wird und die Muskeln gestärkt werden. Aus diesem Grund sind Orthesen sinnvoll, die durch das Entlastungsprinzip eine schnelle Schmerzlinderung ermöglichen, so dass Sie wieder aktiv werden können. Mit einer Orthese können Sie ungehindert wandern, spazieren, joggen oder walken. Bewegung ist Lebenselixier für den Gelenkknorpel und gut trainierte Muskeln entlasten die Gelenke.

Zudem verbessert Sport die Muskelkraft, die Flexibilität und die Beweglichkeit der Gelenke, was ebenfalls zur Schmerzlinderung beiträgt. Gelenk- und Muskelübungen sind wichtig, aber VERMEIDEN Sie so weit wie möglich Aktivitäten, die das Kniegelenk belasten, wie z. B. zu viel Treppensteigen. Auch Drehungen, schnelle Start-/Stopp-Bewegungen, zu häufiges Gelenk-Beugen, Hinknien, schweres Heben und das Sitzen auf niedrigen Stühlen oder Sofas gefährden das Kniegelenk. Sollten Sie diese Bewegungen nicht vermeiden können, machen Sie zwischendurch eine Pause, damit sich die Gelenke erholen können.

Quelle: The Osteoarthritis Research Society International. OARSI guidelines for the non-surgical management of knee osteoarthritis. Osteoarthritis and Cartilage 22 (2014) 363-388

Physiotherapie und Ergotherapie
Wenn Ihr Arzt Ihnen Massage oder Knie-Übungen empfiehlt, wird er Sie an einen Physiotherapeuten verweisen, der mit Ihnen ein Trainingsprogramm erarbeitet, das speziell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Sprechen Sie mit einem Ergotherapeuten über Hilfsmittel, die Ihnen das Leben zuhause und bei der Arbeit erleichtern und schmerzfreier machen können. Zum Beispiel durch einen höheren Stuhl oder höheren Toilettensitz, bei dem die Kniegelenke nicht so stark gebeugt werden.

Medikamente und Injektionen
Medikamente werden in erster Linie eingenommen, um die Symptome der Kniearthrose – insbesondere die Schmerzen – zu behandeln. Es gibt zahlreiche verschreibungspflichtige und frei verkäufliche Schmerzmittel, die helfen können. Dazu gehören asprin-freie Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und Salben, Corticosteroide (Steroide, die die Entzündung hemmen) und Schlafmittel.

Wenn sich die Schmerzen mit dem Fortschreiten der Arthrose verschlimmern, werden manchmal stärkere Medikamente verschrieben. Bedenken Sie bei einer medikamentösen Therapie aber, dass Arthrose eine chronische Erkrankung ist und die Medikamente dauerhaft eingenommen werden müssen, was ggf. zu gefährlichen Nebenwirkungen führen kann. Die Injektion von Hyaluronsäure (eine natürliche Flüssigkeit in gesunden Kniegelenken) sorgt für eine vorübergehende Schmerzlinderung. Anästhetika mit entzündungshemmenden Inhaltsstoffen (meistens Kortison) lindern die Schmerzen durch Betäubung des Kniegelenks. Diese Injektions-Formen sind etabliert, aber die Therapieerfolge sind bei jedem Patienten unterschiedlich.

Wohlbefinden und mentale Gesundheit
Chronische oder ständige Schmerzen belasten nicht nur das körperliche, sondern auch das mentale Wohlbefinden. Versuchen Sie, positiv zu bleiben, indem Sie Ihre Krankheit mit Vertrauenspersonen besprechen oder neue Wege zur Entspannung finden – zum Beispiel Meditation. In vielen Regionen gibt es Arthrose-Selbsthilfegruppen. Hier finden Sie Gleichgesinnte, die verstehen, was es bedeutet, mit diesen Schmerzen zu leben.

Wärme-/Kälte-Therapie
Wärme-/Kälte-Therapien können die Schmerzen und Steifigkeit des von Arthrose betroffenen Kniegelenks lindern. Entzündungen und Schwellungen werden in der Regel mit Eisbeuteln behandelt. Wärme oder heiße Kompressen entspannen die Muskeln und beschleunigen die Blut-Zirkulation.

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Operative Therapien bei Arthrose im Knie

Wenn die nicht-operativen Therapie-Möglichkeiten ausgeschöpft sind und nicht mehr zur Schmerzlinderung beitragen können und zudem die Mobilität ernsthaft eingeschränkt ist, wird Ihnen Ihr Arzt ein künstliches Kniegelenk empfehlen. Besprechen Sie mit einem Facharzt für Orthopädie und Chirurgie, wann welche Operation durchgeführt werden sollte.

Vollständiger Gelenkersatz (Vollprothese)
Diese Operation wird nur in Betracht gezogen, wenn beide Seiten der Knochen-Oberflächen signifikant zerstört sind und Sie so starke Schmerzen haben, dass diese nicht durch andere Therapieformen gelindert werden können. Während der Operation wird die zerstörte Oberfläche des Kniegelenks durch Metall- und Kunststoff-Komponenten ersetzt, die so geformt sind, dass sie eine dauerhafte Bewegung des Kniegelenks ermöglichen.

Ein Gelenkersatz ist ein großer Eingriff mit Vollnarkose. In der Regel kommt es zu erheblichen post-operativen Schmerzen. Nach der Operation ist eine umfassende Rehabilitation erforderlich. Gegebenenfalls benötigen Sie während der Genesungszeit Hilfsmittel, wie zum Beispiel Gehhilfe, Stock, Krücken. Die Rehabilitation nach einer Vollprothesen-Operation dauert zwischen 3 und 6 Monaten.
Ein künstliches Kniegelenk hält durchschnittlich ca. 10 bis 15 Jahre. Danach kann eine zweite Operation notwendig sein.

Teilgelenkersatz (Schlittenprothese)
Wenn nur eine Seite des Kniegelenks von Gonarthrose betroffen ist, besteht die Möglichkeit einer Operation, bei der die gesunde Seite erhalten bleibt. Bei einer Teilgelenkersatz-Operation wird nur die zerstörte oder betroffene Seite des Kniegelenks mit Metall- und Kunststoff-Komponenten erneuert. Diese Operation ist auch als unikompartimenteller Kniegelenk-Ersatz bekannt.

Der partielle Gelenkersatz ist ein kleinerer Eingriff, die Rehabilitationszeit ist kürzer und der Blutverlust ist geringer als bei der Vollprothesen-Operation. Trotzdem ist eine Teil- oder Vollnarkose notwendig. Nachteil der Teilgelenkersatz-OP im Vergleich zur Vollprothesen-OP ist, dass die Schmerzlinderung weniger vorhersehbar ist und dass möglicherweise weitere Operationen notwendig sind, wenn die Arthrose in den Teilen des Kniegelenks fortschreitet, die nicht ersetzt worden sind. Nach einer Operation ist eine physikalische Therapie erforderlich. Möglicherweise benötigen Sie in den ersten Tagen oder Wochen Hilfsmittel, wie z. B. Gehhilfe, Stock, Krücken, bevor Sie ohne Hilfe gehen können. Normalerweise können Patienten ihre normalen Alltags-Aktivitäten 6 Wochen nach einer Teilgelenkersatz-OP wieder aufnehmen.

Osteotomie
Bei einer Osteotomie (auch Umstellungs-Osteotomie oder Korrektur-Osteotomie) werden die Knochen gezielt durchtrennt, um Fehlstellungen oder Arthrose-Schäden auf einer Seite des Kniegelenks zu korrigieren. Durch die Korrektur der Knochen wird die Belastung vom betroffenen Knorpel auf gesunde Teile verlagert.

Diese Operation erfordert eine Vollnarkose. Aufgrund der Art der Operation kann die Genesung lange dauern. Mindestens 6 Wochen darf das Gelenk nur partiell belastet werden – in der Regel erfolgt dies durch Krücken. Wenn zu früh zu viel Gewicht auf dem Kniegelenk lastet, kann die Knochenoberfläche zerstört und der Heilungsprozess verlängert werden. Nach einer Osteotomie gehen die Schwellungen im Bein normalerweise in einem Zeitraum von 3 bis 6 Monaten zurück. Patienten müssen bei allen Aktivitäten, auch beim Gehen, vorsichtig sein, bis der Heilungsprozess beendet ist. Die Krankschreibung kann 6 Wochen bis 6 Monate dauern, abhängig von der Art der Berufstätigkeit.

Arthroskopie
Eine selten angewandte Therapie bei Arthrose im Knie ist die Arthroskopie (Gelenkspiegelung), bei der eine kleine Kamera (Endoskop) in das Kniegelenk eingeführt wird, um ein klareres Bild darüber zu erhalten, was im Kniegelenk passiert und welche Therapie die beste ist.

 

Quelle: Össur Deutschland GmbH // http://arthrose-im-kniegelenk.de/kniearthrose/

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